100% tabellenloses Webdesign!? Bullshit!

Heute nehme ich mir mal wieder etwas Zeit, um mein Wort zum Sonntag zu tippen. Dies hat zwei Gründe: Zum einen eine kleine Fingerdehn-Übung, da ich direkt im Anschluss an meinem eBook (Infos in kürze) weiterarbeiten werde.

Zu dem habe ich mich zwecks Marketing-Vorbereitung für unser CMS fokus in den letzten Tagen durch etliche Webseiten deutscher Werbeagenturen geklickt. Dabei ist mir aufgefallen, dass immer noch viele das Attribut 100% tabellenloses Webdesign oder tabellenfreies Layout zu ihren Stärken zählen.

Für mich Grund genug, mal wieder einen Blogartikel einzureichen. Denn das Tabellen im Webdesign alles andere als böse sind und sich herrlich für den Transport von gezielten Informationen eignen, haben scheinbar noch nicht alle begriffen. Obwohl, man könnte besser sagen, haben einige noch nicht wieder begriffen – schlagen wir dazu in unserem Geschichtsbuch das Kapital tabellenloses Webdesign auf.

Woher stammt der Gedanke, Tabellen seien böse?

Tabellen waren nicht immer „böse“; ganz im Gegenteil: Noch vor wenigen Jahren galten sie als das ultimative Layout-Element im Webdesign. Auch in meinem Lernprozess kamen direkt nach den Frames die Tabellen-Layouts.

Es war zu einer Zeit, als die Cascading Stylesheets vielen kein Begriff waren. Das Aussehen, die Größe und das Box-Verhalten eines HTML-Elements über etwas anderes als die eigenen HTML-Attribute zu beschreiben, war ebenso fremd.

Die HTML-Tabelle – welche quasi das Grid Model 1.0 darstellt – kam da natürlich gelegen. Über tr und td, colspan und rowspan, width und height konnte man sich ein flexibles Layout zusammenstellen. Meistens reichte eine Tabelle nicht aus; am Ende hatte man im Idealfall 15 verschachtelte Konstrukte. Kam ein Änderungswunsch vom Kunden hatte man die Optionen zwischen vor den nächsten Zug springen oder alles neu schreiben…

Ich kann mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen: Von heute auf morgen kam die Revolution, das div-Element war erfunden. Im Zusammenhang mit CSS öffneten sich dem Webentwickler neue Welten. Logisch, dass die Layout-Tabelle recht schnell unter Beschuss geriet. Einschlägige Fachblogs riefen das Ende des table-Elements aus – wer es dennoch verwendete, wurde an den digitalen Pranger gestellt.

Zum Glück gab es sogar Programme, die den Foren-Alltag erheblich erleichterten: Einfach die URL der zu überprüfenden Webseite eintragen, die Anzahl der table-Tags wird ausgelesen und schwups ist ein qualitativer Faktor ermittelt – Wahnsinn!

Tabellen sind nicht böse!

Damit mich jeder auch versteht, werde ich in diesem Absatz den Einsatz sarkastischer Elemente zurückfahren.

Vorweg: Den Inhalt einer Webseite über Tabellen zu gestalten heiße ich keineswegs gut! Dennoch sollte man als Webdesigner und Webentwickler auf keinen Fall vollständig auf das wunderschöne table-Element verzichten. Deshalb würde ich meine Leistungen auch niemals als tabellenloses Webdesign verkaufen.

HTML bedeutet ausgeschrieben Hypertext Markup Language, also keine Programmiersprache, sondern ein Modell zur Auszeichnung von Inhalten. Semantik, die Beziehung zwischen Element und Inhalt, ist das Schlüsselwort.

Benutzen wir also Tabellen in ihrer semantisch korrekten Ursprungsform – nämlich zum Transport und Vergleich gezielter Informationen – spricht absolut gar nichts gegen eine Verwendung. Im Gegenteil: Kein anderes HTML-Element bietet von Haus aus vergleichbarer Eigenschaften um Inhalte gegenüberzustellen. Sowohl in Punkto Semantik als auch bei der visuellen Darstellung.

Tabellen sind also nicht von Haus aus böse und sollte in jedem guten Webdesign ihren Einsatz finden – sofern der zu tragende Inhalt es verlangt!